Dieses Thema kann jeden betreffen: Der verlorene Patient

Auch wenn es immer mehr Menschen zunehmend schwerer fällt, Monat für Monat die Krankenkassenbeiträge aufzubringen, ist es doch ein gutes Gefühl, sich bei schwerer Krankheit oder nach einem folgenschweren Unfall auf die finanzielle Unterstützung vonseiten seiner Krankenkasse verlassen zu können. Wie der Dokumentarfilm „Der verlorene Patient“ anhand tragischer Fallbeispiele zeigt, ist das Gefühl von Sicherheit aber weitaus trügerischer, als gemeinhin angenommen wird.

Fallbeispiel Nr. 1

Der Film „Der verlorene Patient“ berichtet unter anderem über eine 56-jährige Frau, die aufgrund eines Schlaganfalls halbseitig gelähmt wurde. Angewiesen auf Reha-Maßnahmen, muss sie nach anfänglicher Unterstützung vonseiten ihrer Krankenkasse nun aber alleine für ihre Behandlung aufkommen. Als Begründung für die Einstellung der Kostenübernahme habe die Krankenkasse aufgeführt, dass die Patientin ein „austherapierter“ Pflegefall sei, bei dem sich ein weiterführen der teuren Reha-Behandlung schlichtweg nicht mehr lohne. Und das, obwohl die behandelnden Ärzte durchaus optimistisch seien, dass sich der Gesundheitszustand der Frau bei langfristiger Reha noch weiter verbessern könne. Um aber dennoch zu ihrem Recht als Patientin zukommen, zieht die Frau im weiteren Filmverlauf zusammen mit Ihrem Mann vor Gericht, wo sie am Ende der Dokumentation auch tatsächlich gewinnt. Der Ausdruck Happy End mag aber in Anbetracht der Brisanz des Falls dennoch nicht in den Sinn kommen, zumal die Situation der Frau an sich leider keine Seltenheit ist, der klare Sieg vor Gericht hingegen schon.

Fallbeispiel Nr. 2

Ein weiterer Fall, über den im Dokumentarfilm berichtet wird, behandelt einen fränkischen Kraftfahrer, der nach vielen Jahren der Berufsausübung chronische Bandscheibenprobleme bekommen habe, aufgrund derer er für einen längeren Zeitraum hätte krankgeschrieben werden müssen. Für die Dauer dieser ersten Krankschreibung habe er von seiner Krankenkasse auch tatsächlich Krankengeld gezahlt bekommen. Allerdings sei der Kraftfahrer über die erste Krankschreibung hinaus noch weiter krankgeschrieben worden, woraufhin die Krankenkasse nicht bloß die Zahlungen ohne jegliche Vorwarnung eingestellte habe, sondern zudem sogar den Versichertenstatus aufgrund eines angeblichen Formfehlers aufgehoben hätte. Wie die Patientin im ersten Fallbeispiel zog auch der Kraftfahrer vor Gericht. Leider endeten die Dreharbeiten zur Doku vor der Gerichtsverhandlung, weshalb ihr Ausgang ungewiss ist.

Ärzte und Patientenvertreter schlichtweg empört!

Das wirklich erschreckende an der Doku „Der verlorene Patient“ ist, dass ihr Autor im Rahmen seiner Recherchen eigenen Angaben zufolge auf Belege dafür gestoßen sei, dass der Spitzenverband der Krankenkassen seine Mitglieder gezielt schule, Patienten mithilfe juristischer Spitzfindigkeiten in höchstfragwürdige „Krankschreibungslücken“ zu locken.

Weitere Informationen zu diesem Film und anderen spannenden Dokumentationen finden Sie im 3sat Programm auf hoerzu.de .

Bild: Florian Hiltmair – Fotolia

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