Medizin und Diagnose im Internet: Ärzte warnen vor virtueller Behandlung

Medizin, die Pille oder Viagra beziehungsweise eine Diagnose im Internet zu erhalten, halten Ärzte für äußerst bedenklich. Eine virtuelle Behandlung kann den realen Arztbesuch auf keinen Fall ersetzen und im Zweifelsfall durchaus ernste Folgen haben.

Wer sich auf die Medizin und eine Diagnose, die im Internet angeboten bzw. gestellt wird, verlässt, ohne einen realen Arzt aufzusuchen, läuft Gefahr, einer Fehldiagnose oder falscher Medikation ausgesetzt zu sein. Aktuell sorgt das neue Internetportal „DrEd“ für Aufsehen bei den Ärzteverbänden. Dieses ermöglicht es, sich per Mausklick online behandeln zu lassen und versorgt die Patienten mit Rezepten oder direkt mit Medikamenten, welche mittels einer online-Apotheke versendet werden. Die Gesamtheit der Behandlung, inklusive Diagnostik und Rezept-Verschreibung, wird von der Ärzteschaft scharf kritisiert, da der Arztbesuch damit für viele überflüssig erscheint, was bei akuten Fällen jedoch äußerst gesundheitsschädigend sein könne.

Diagnose, Behandlung und Medizin im Internet: „DrEd“, der virtuelle Arzt

Das neue Internetportal „DrEd“ wird von zwei deutschen Ärzten betrieben, wobei sich der Unternehmenssitz allerdings in London befindet, da hierzulande das Fernbehandlungsverbot gilt. Als Patient muss man in der virtuellen Praxis lediglich einige Fragebögen beantworten und wenn nötig, ist auch ein Telefongespräch mit dem Arzt möglich. Eine Praxisgebühr wird nicht fällig, doch die Behandlungskosten belaufen sich auf bis zu 29 Euro.

„DrEd“: Moderne Telemedizin oder gefährliches Geschäftsmodell?

Das Unternehmen selbst bezeichnet sich als telemedizinisches Angebot, das auch Patienten entgegenkommen möchte, die sich eventuell vor einem Arztbesuch schämen. Dass dabei Gefahren und Riskien möglicherweise heruntergespielt werden, stellt nur eine Sorge der Ärzteschaften dar. Sie betonen weiterhin, dass Patienten nur die Symptome angeben, die sie auch selbst verspüren, ein Arzt könne jedoch durch Ertasten oder andere Untersuchungs-Methoden mehr herausfinden, als es die subjektive Wahrnehmung ermöglicht. Die deutschen Ärzteverbände grenzen „DrEd“ zudem eindeutig von der Telemedizin ab, als welche sich das Internetportal versteht. Die telemedizinische Versorgung, welche in Deutschland seit 2004 offiziell existiert, diene lediglich dazu, das ärztliche Handeln zu unterstützen, es jedoch auf keinen Fall zu ersetzen. Per Web-cam, Liveschaltung und externen Befunden bietet die Telemedizin die Möglichkeit, Spezialisten einzuschalten, die vor Ort fehlen, jedoch stellt sie keinen Ersatz für den betreuenden Arzt dar.

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