Wann eine Haartransplantation infrage kommt

Düsseldorf – Lichte Stellen, Geheimratsecken oder eine Halbglatze gehörten früher zum Älterwerden dazu. Schicksal, nichts zu machen. Heute ist das anders.

Ärzte können zum Beispiel Haare von einer Stelle des Körpers an eine andere transplantieren. Doch die Methode hat ihre Tücken. Sie ist nicht für jeden geeignet, sollte nur von Spezialisten durchgeführt werden – und sie ist teuer.

Bei einer sogenannten Eigenhaartransplantation werden eigene Haarwurzeln aus einer dicht behaarten Kopfzone entfernt und in kahle Stellen verpflanzt, erklärt Frank G. Neidel, Präsident des Verbands Deutscher Haarchirurgen (VDHC).

Ob so eine Behandlung infrage kommt, hängt unter anderem von der Ursache für den Haarausfall ab. «Auslöser können neben erblich bedingtem Haarausfall und Hormonschwankungen während der Wechseljahre auch bestimmte Krankheiten, Mangelernährung oder Medikamente sein», erklärt Anke Kapels von der Stiftung Warentest.

Steckt eine Krankheit hinter dem Haarausfall, wachsen die Haare irgendwann wieder. Deswegen sollten Betroffene die Ursache unbedingt von einem Arzt abklären lassen, sagt Klaus Walgenbach, Ärztlicher Leiter der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie am Universitätsklinikum Bonn und Sprecher des dort angesiedelten Kompetenzzentrums Haar.

Zweite Voraussetzung ist, dass überhaupt noch genug genügend funktionierende Haarfollikel mit Haarwurzeln existieren. Transplantiert werden kann schließlich nur, was noch da ist. Meist findet der Arzt am Kopf im seitlichen und hinteren Haarkranz Haarwurzeln, die dann in der Regel überall dorthin transplantiert werden können, wo eine dichtere Behaarung gewünscht ist.

«Wichtig sind eine intensive Beratung und Aufklärung des Patienten vor dem Eingriff», erklärt Walgenbach. Eine
Haartransplantation ist nicht immer empfehlenswert. Ist etwa eine Glatzenbildung schon weit fortgeschritten, dann kann es schlicht zu wenig Spenderhaare für eine ausreichende Abdeckung geben.

Entscheiden sich Patient und Arzt für den Eingriff, erfolgt dieser ambulant. Der Patient wird in einen Dämmerschlaf versetzt. Unter örtlicher Betäubung entnimmt der Arzt aus dem Haarkranz gesunde haarproduzierende Wurzeln und verpflanzt sie in haarlose Regionen.

Danach passiert erst einmal nichts. Die Haarwurzeln ruhen, nach zwei bis sechs Wochen fallen die ersten feinen Härchen wieder aus. Etwa drei bis vier Monate später legen die Wurzeln los und produzieren kräftiges Haar, das dann dauerhaft erhalten bleibt. Aber für immer und ewig hält das Ergebnis nicht unbedingt. «Je jünger der Patient bei einem Eingriff ist, desto höher sind die Folgekosten», sagt Neidel. Haarausfall ist ein lebenslanger Prozess.

Die Kosten einer Haartransplantation liegen bei mehreren tausend Euro, der genaue Betrag hängt vom Einzelfall ab. In aller Regel gewähren die Krankenkassen keine Zuschüsse. Oft machen ausländische Institute im Internet Werbung mit weitaus günstigeren Preisen – hier ist jedoch Vorsicht geboten. Scharlatane gibt es zwar auch in Deutschland. Aber immerhin besteht hierzulande die Möglichkeit, bei der Ärztekammer Informationen über den behandelnden Arzt einzuholen.

Fotocredits: Andrea Warnecke,Andrea Warnecke,Andrea Warnecke,Andrea Warnecke,Andrea Warnecke,Andrea Warnecke,Aline Wolters,Johann F. Saba,Espen Eichhöfer
(dpa/tmn)

(dpa)
Mediziner