Medikamente einnehmen: Aber richtig

Hätten Sie gewusst, dass Ohrentropfen optimalerweise körperwarm sein sollten? Und dass sie, wenn sie zu kalt sind, Schwindelgefühle und Kopfschmerzen verursachen können?

Grapefruitsaft darf nie mit Medikamenten eingenommen werden – das wissen die meisten. Aber welche Feinheiten es außerdem zu beachten gilt, ist häufig unbekannt: Apotheker gehen davon aus, dass rund 40 Prozent aller verschriebenen Medikamente falsch oder gar nicht eingenommen werden.

Im harmloseren Fall bedeutet das, dass die Medikamente in ihrer Wirksamkeit reduziert werden. Unter Umständen kann die falsche Einnahme aber auch gefährlich werden – Beispiel Grapefruitsaft: Das Getränk hemmt ein bestimmtes Enzym in Darmschleimhaut und Leber. Medikamente werden in der Folge in gesteigerter Menge aufgenommen; was letztlich zu Vergiftungserscheinungen führen kann.

Wer eisenhaltige Medikamente zusammen mit Tee oder Kaffee einnimmt, riskiert, dass die enthaltenen Pektine sich mit dem Eisen im Darm in feste chemischen Verbindungen zusammenfügen. Und wer besonders fett oder ausgiebig isst, muss damit rechnen, dass ein Schmerzmittel erst viel später – wenn überhaupt – Wirkung zeigt.

Eine solche Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Zwar führen die Beipackzettel der Medikamente inzwischen einen genauen Katalog der Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auf – aber über die Art der Einnahme sagen sie immer noch recht wenig aus. Grundsätzlich gilt: Wenn ein Getränk zur Einnahme vonnöten ist, empfiehlt sich unbedingt Wasser. Und die Formulierung „auf nüchternen Magen“ bedeutet nicht kurz vor dem Essen, sondern mindestens eine halbe Stunde davor. Verschiedene Fachzeitschriften und Internetseiten versuchen inzwischen, die korrekte Einnahme bestimmter Medikamente zu katalogisieren. Bis allerdings das Wissen um die richtige Art der Einnahme in der breiten Öffentlichkeit angelangt ist, dürften noch ein paar Jahre vergehen, in denen 40 Prozent umsonst geschluckt werden …

Mediziner

Comments (4)

  1. […] verständlich aufbereitete medizinische Infos auszeichnet. Zuletzt war unter dem Titel "Medikamente einnehmen: Aber richtig" u.a. zu lesen, daß Grapefruitsaft nie zusammen mit Medikamenten eingenommen werden soll, […]

  2. Ihr freundlicher Apotheker sagt:

    Und damit einem diese Informationen nicht entgehen, kauft man seine Medikamente in einer Apotheke um die Ecke, in der einem diese Hinweise, und noch viele andere mehr, kostenlos mitgegeben werden. Gerne raten wir auch von unnötigen und gefährlichen Wundermittelchen ab.

  3. Martin sagt:

    Zum Grapefruchsaft: die Interaktion ist unvorhersehbar, der Effekt tritt schon nach kleinen Mengen (1 Glas) Grapefruchsaft auf und ist langanhaltend. Also eine ganz dicke Warnung!