Internetsucht: Wo fängt sie an?

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung warnte vor geraumer Zeit bereits vor der Suchtgefahr, die von der digitalen Welt ausgeht. Dabei ist diese Sucht als solche im medizinischen Sinne noch gar nicht definiert. Wann ist ein Mensch nun internetsüchtig – und wann vielleicht nur phasenweise etwas intensiver im Netz unterwegs?

Wann ist man abhängig von Smartphone und Computer?

Die sogenannte „Internetsucht“ ist als Krankheit zurzeit noch nicht klar definiert: In den international geltenden Diagnosesystemen für psychische Störungen taucht sie als Suchtkrankheit noch gar nicht auf. Es gibt zurzeit lediglich eine Art Arbeitshypothese, die als Internet-Spiel-Störung („Internet Gaming Disorder“) bekannt ist. Der Mangel an Definition hat den Hintergrund, dass sich die medizinischen Fachleute seit Jahren darum streiten, wo die normale Nutzung von Internet und PC aufhört – und wo ein Suchtverhalten beginnt. Wer nun also über einen längeren Zeitraum kostenlose Casino-Spiele mit attraktiven Gewinnchancen zockt oder stundenlang Online-Games mit anderen im Netz spielt, muss per Definition noch lange kein Internetsüchtiger sein. Nichtsdestotrotz ist klar: Gerade viele jüngere Menschen haben ein Problem damit, Smartphone und Notebook einfach mal über einen längeren Zeitraum abzuschalten.

Auffälliges Internet-Verhalten bei über einer halben Million Menschen in Deutschland

Das immer mehr ohne Internet scheinbar nicht mehr können, wird mittlerweile nicht mehr bestritten. Umfragen zeigen, dass bis zu 600.000 Menschen allein in der Bundesrepublik eine problematische Verhaltensweise im Umgang mit dem World Wide Web an den Tag legen. Den Forschern hilft bei der Ermittlung von Zahlen wie dieser der „Compulsive-Internet-Use-Scale“ (CIUS). Er besteht aus 14 Fragen, deren Antworten einen Schluss auf Suchtverhalten bei der Internetnutzung zulassen. Mithilfe von CIUS hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung herausgefunden, dass die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Internet-Suchtverhalten zunimmt: Waren im Jahr 2011 noch drei Prozent der 12- bis 17-jährigen Jungen in dieser Beziehung auffällig, stieg diese Zahl bis zum Jahr 2015 auf 5,3 Prozent an. Ein Anzeichen dafür, dass das Problem demnächst vermehrt Therapeuten und Suchtberatungsstellen beschäftigen wird – Definition hin oder her.

Artikelfoto: Fotolia, 28131331, WavebreakMediaMicro

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