Der Abschied vom Schnuller – Kinder langsam vom Nuckeln entwöhnen

In meiner Kindheit war der Schnuller mein bester Freund, mein Trostspender, meine Einschlafhilfe. Die beruhigende Wirkung des Saugreflexes wohnt jedem Baby von Geburt an inne. Doch nicht jedes Kind verzichtet irgendwann freiwillig auf den Nuckel. Manchmal müssen Eltern nachhelfen. Langzeitiges Nuckeln kann gravierende Folgen haben. Da der kindliche Gaumen und Kiefer noch relativ weich sind, kann ein dauerhaft harter Druck schwerwiegende Schäden im Mundraum anrichten. Schlimmstenfalls kommt es so zu einer Fehlstellung der Zähne und eventuellen Kieferproblemen.Artikelgebend ist das Entwöhnen des Schnullers.

Nicht zu unterschätzen ist außerdem die psychische Abhängigkeit. Der Schnuller vermittelt Geborgenheit, Ruhe und Wohlbefinden. Viele Kleinkinder ersetzen deshalb den Schnuller in späteren Jahren vor allem in belastenden Situationen durch den Daumen. Aus ärztlicher Sicht wird eine Entwöhnung bis zum dritten Lebensjahr empfohlen. Doch bereits ab dem achten Lebensmonat wird der Saug- durch den Kaureflex ersetzt und eine Entwöhnung gestaltet sich zunehmend schwieriger.

Die Entwöhnung braucht Zeit

Leider trifft das Sprichwort: „Aus den Augen, aus dem Sinn“ beim Schnuller nicht zu. Ein radikaler Schnullerentzug von heute auf morgen wird sicherlich keinen langfristigen Erfolg zeigen, denn schnell finden Kinder eine Ersatzbefriedigung z.B. im Daumenlutschen. Förderlich ist es, die Entwöhnungsphase zu einer Zeit zu beginnen, in der euer Kind keinen zusätzlichen psychischen Belastungen ausgesetzt ist. Der Tod der Oma oder die Geburt eines neuen Geschwisterchens können schnell dazu führen, dass der Schnuller zum zwingenden Muss für das seelische Wohlbefinden wird.

Verbote stellen keine Motivation dar

Eindringliche Aufforderungen wie „Lass das sein!“ oder „Nein, das darfst du nicht!“ zeigen bei der Schnuller-Entwöhnung meist nicht den gewünschten Erfolg, denn Verbote haben ja einen besonderen Reiz. Stattdessen gilt hier das Belohnungsprinzip. Wird das Kind für jede schnullerfreie Woche mit Lob und einem kleinen Geschenk belohnt, steigt auch die Motivation für den Abschied vom Schnuller.

In Elternratgebern finden sich zahlreiche Tipps und Tricks zur Schnuller-Entwöhnung. Eine besonders schöne Methode ist dabei das Zelebrieren des Schnullerabschiedes. Da der Verzicht auf den Nuckel eine Verlusterfahrung darstellt, ist es für Kinder wichtig, dieses Erlebnis einzuordnen und verarbeiten zu können. Dabei kann eine Schnuller-Abschiedsparty helfen, zu der Freunde und Familie eingeladen werden und gemeinsam der Abschied gefeiert wird. Das fördert zudem die Sensibilisierung der Kinder für kommende Verlusterlebnisse.


Bild: M.Schneider – Fotolia

Mediziner