Wohlbefinden, Entspannung, Euphorie: warum Sport so glücklich macht

Seit mehr als 40 Jahren werden Endorphine für die Glücksgefühle beim Sport verantwortlich gemacht. Dabei ist diese Theorie schon lange umstritten: viele Sportmediziner halten sie für eine Behauptung, die bisher nicht eindeutig bewiesen werden konnte. Doch was löst dann das Gefühl von Wohlbefinden und Entspannung bis hin zur Euphorie während des Sports aus?
Joggerin auf Landstraße

Mythos Endorphine?

Gegen die allbekannte Endorphin-Theorie spricht, dass die körpereigenen Morphine in erster Linie dafür sorgen, dass der Mensch bei Verletzungen weniger Schmerzen verspürt. Endorphine sind also Schmerzstiller, die Extremsituationen erträglicher machen – keine „Glücklichmacher“. Dass das Glücksgefühl im Gehirn und nicht im Körper entsteht, spricht ebenfalls gegen die Theorie: Endorphine konnten bisher nur im Blut nachgewiesen werden, sie drängen nicht ins Gehirn.

Drei Verdächtige für den Rausch von innen

Viel wahrscheinlichere Kandidaten, die für das Wohlbefinden beim Sport sorgen, sind für Experten heute Endocannabinoide. Diese körpereigenen Substanzen können den Menschen in einen rauschähnlichen Zustand versetzen – über die genaue funktionelle Bedeutung ist bisher aber nur wenig bekannt. Die These der Experten: sportliche Aktivitäten führen zu einer vermehrten Ausschüttung von körpereigenen Cannabinoiden. Damit steigt das Wohlbefinden und man spürt zudem weniger Schmerz und Ängstlichkeit. Namensgebend hierfür waren die Wirkstoffe der Cannabispflanze, die sehr ähnlich aufgebaut sind.

Eine weitere Theorie sieht das Hormon Serotonin und andere Botenstoffe wie Dopamin und Adrenalin, die beim Sporttreiben erhöht werden, als Auslöser. Alle zusammen könnten einen Rauschzustand beim Laufen auslösen. Dafür spricht, dass Serotonin oft als Glückshormon bezeichnet wird – ein echter Stimmungsaufheller.

Verdächtiger Nummer drei: die wiederkehrenden, rhythmischen Bewegungen. Insbesondere Läufer berichten häufig von einem „Flow“-Moment, der auch „Runner’s High“ genannt wird: ein rauschähnlicher Zustand, in dem alles fließt und man quasi von allein läuft, ohne jede Anstrengung. Wer öfter länger läuft, kennt bestimmt auch dieses Phänomen: Probleme erscheinen nach dem Laufen weniger negativ, obwohl sich objektiv an der Situation nichts geändert hat.

Sicher ist, Sport tut gut

Auch wenn bis heute nicht einwandfrei wissenschaftlich beantwortet wurde, wie genau das Glücksgefühl beim Sport ausgelöst wird, steht fest, dass die gleichbleibenden, rhythmischen Bewegungen einen positiven Effekt auf die Psyche haben. Für alle Sportmuffel sollte die Frage also vielmehr lauten: warum treibe ich nicht mehr Sport, obwohl ich weiß, dass er Körper und Seele gut tut?

Img.: Maridav – Fotolia

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