Winterschlaf oder Winterdepression?

Draußen ist es jetzt zeitig dunkel und kalt ist es sowieso. Wer verspürt da nicht den Drang, sich zu Hause gemütlich einzukuscheln und einfach zu schlafen? Wären wir Bären, Eichhörnchen oder Igel, wäre dies sicherlich kein Problem – vorausgesetzt, unser Fettvorrat wäre ausreichend und wir finden einen geschützten Platz.

Warum können wir Menschen nicht einfach auch einen Winterschlaf machen?
Noch vor 100 Jahren gab es in Sibirien einen Volksstamm in der Gegend um Pskov, der sich jedes Jahr beim ersten Schnee am Feuer versammelte und schlief. Jeder von ihnen stand einmal am Tag auf, aß ein Stück Brot und trank einen Schluck Wasser und legte sich dann wieder hin. Bis zum Frühlingsanfang vergingen 6 Monate, in denen die Bewohner ihren „Winterschlaf“ machten, um ihre Vorräte zu schonen und möglichst gut über den Winter zu kommen.

In der heutigen Zeit ist dies natürlich undenkbar. Aber in vielen von uns gibt es noch – angeschoben von der inneren Uhr und dem anderen Tagesrhythmus – die Neigung im Winter zurückzuschalten, auf Sparflamme sozusagen. Es besteht meist ein erhöhtes Verlangen nach Fettem, Süßem und Kohlenhydraten, denn in gewissem Maße futtern auch wir uns noch den sogenannten „Winterspeck“ an.

Verantwortlich für all das ist die kurze Sonnenscheindauer pro Tag, – wenn sie denn scheint – und das Schlafhormon Melatonin, ein Hormon das in der Zirbeldrüdse des Zwischenhirns produziert wird und verantwortlich für unseren Tag-Nacht-Rhythmus ist. Durch den Einfall von Licht durchs Auge wird die Ausschüttung gebremst und mit abnehmender Tageslichtdauer erhöht sich diese.

Wenn man eine starke Antriebslosigkeit und ein erhöhtes Schlafbedürfnis verspürt und die Stimmung zum größten Teil sehr gedrückt ist, spricht man auch von einer Winterdepression.

Aber was können wir dagegen tun? Abwarten bis zum Frühling? Na, da wäre so mancher Arbeitgeber wohl nicht begeistert und auch die Patienten selbst leiden natürlich unter dieser Antriebslosigkeit und Müdigkeit.

Also heißt es jeden Tag mindestens eine halbe Stunde raus an die frische Luft, denn Licht und Bewegung helfen am besten. Menschen mit Hunden oder Kindern dürfte das wohl nicht so schwer fallen. Wenn Sie beides nicht haben, „leihen“ Sie sich doch einen Hund oder mal die Kinder vom Nachbarn für einen Spaziergang aus.

In Skandinavien, wo die lange Zeit der Dunkelheit noch viel ausgeprägter ist als in unseren Breitengraden, achtet man besonders auf die ausreichende Beleuchtung in Wohnung und am Arbeitsplatz. Es gibt sogar spezielle Leuchten oder Lichtecken, die jeden Tag für eine bestimmte Zeit genutzt werden können, um den negativen Auswirkungen der Dunkelheit effektiv entgegenzuwirken.

Kaufen sie sich einen bunten Blumenstrauß und tanzen sie bei fröhlicher Musik durch Ihre Wohnung. Achten Sie auf Ihre Ernährung, indem sie nicht zu fette und kalorienreiche Sachen essen, wie es ihr Körper gerne möchte. Ein Obstsalat schmeckt im Winter genauso gut wie im Sommer, ist aber durch den erhöhten Vitamin- und Mineralstoffbedarf des Körpers noch wichtiger.

Sollten im Frühling aber immer noch keine positiven Veränderungen eintreten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob eventuell eine ernsthafte andauernde Depression dahinter steckt.

Und ansonsten warten wir sehnsüchtig auf den Frühling, der uns mit seinen ersten Blumen und grünen Blättern aus unserem heutigen „Winterschlaf“ weckt.

Mediziner

Comments (1)

  1. […] Dies ist heutzutage natürlich längst überholt, Dürrezeiten im Winter gibt es bei uns nicht. Da die Evolution mit der Schnelligkeit unserer Entwicklung nicht mithalten kann, ist das Verlangen nach diesen Speisen aber immer noch vorhanden. Der Körper suggeriert uns, dass wir fetthaltiges Essen bevorzugen, braucht es aber eigentlich gar nicht. Obstsorten und Salate schmecken im Winter genauso gut wie im Sommer, also verzichtet auf das fettige Essen und esst die Mahlzeiten, die ihr im Sommer bereits zu euch nehmt (Medizin-Blog) […]