Tourette-Syndrom – die Krankheit mit den Tics

Das Tourette-Syndrom (kurz: TS), dass nach dem französischen Neurologen Georges Gilles de la Tourette (1857-1904) benannt, und von ihm 1885 wissenschaftlich beschrieben wurde, ist eine neuropsychiatrische Erkrankung, die durch Tics unterstrichen und deutlich wird. Bei den Tics handelt es sich um unwillkürlich, nicht steuerbare Bewegungen (Muskelzuckungen) und Lautäußerungen, die obszön oder aggressiv sein können.

Die Tics

Die Tics können sowohl regelmäßig als auch unregelmäßig auftreten. Die Betroffenen stoßen mit ihren Tics in der Öffentlichkeit oft auf Unverständnis und fehlende Akzeptanz, was zum Sigmatismus und zur sozialen Ausgrenzung führen kann. In der BRD leben etwa 40.000 Betroffene mit dem Tourette-Syndrom. Trotz umfangreicher wissenschaftlicher Forschungen konnte bisher noch keine klare Ursache für die Entstehung des Tourette-Syndroms herausgefunden werden, so dass gegenwärtig diese Erkrankung nicht geheilt werden kann. Bisherige Untersuchungen lassen die Wissenschaftler davon ausgehen, dass das Tourette-Syndrom durch einen ungleichgewichtigen Stoffwechsel im Gehirn (Neurotransmitter-Systeme) ausgelöst werden kann. Das bedeutet, dass die Neurotransmitter Dopamin, der u.a. für die Bewegung verantwortlich ist, und Serotonin, der u.a. für die Entspannung und das Wohlbefinden verantwortlich ist, ungleich vorhanden sind. Trotz der Unheilbarkeit können die Symptome (hyperkinetische Störungen – übermäßige Bewegung, Zwänge und Tics) behandelt und positiv beeinflusst werden.

Die Symptomatik

Die Symptomatik des Tourette-Syndroms bricht bereits im Kindesalter (meist im Alter von etwa sieben Jahren) aus, während der Pubertät (bis zum 14. Lebensjahr) verstärkt es sich und kann im Laufe als Erwachsener (im 16. bis zum 26. Lebensjahr) bis hin ins hohe Alter wieder abnehmen. Jungen sind drei- bis viermal mehr betroffen als Mädchen. Erste motorische Symptome sind einfache Tics, wie das Schneiden von Grimassen, das Augenzwinkern, das Rümpfen der Nase oder/und das Kopf- und Schulterzucken. Auch vokale Symptome treten schon im Kindesalter auf, wie z. B. das Nachahmen von Tiergeräuschen, Grunzen, Husten, Räuspern, Schnalzen und/oder Quicken. Im späteren Verlauf entwickeln sich komplexe Tics motorischer und verbaler Art. Im motorischen Bereich werden vor allem Grimassen geschnitten, andere Personen berührt und nachgeahmt (Echopraxie – Nachhall), Körperverrenkungen und selbstverletzende Handlungen (Schlagen, Kopfschlagen u. ä.) oder obszöner Gesten (Kopropraxie) vorgenommen. Zu den vokalen komplexen Tics gehören vor allem das laute, ohne Zusammenhang, Herausschreien von Wörtern oder Sätzen, das laute Sprechen obszöner und/oder aggressiver Worte (Koprolalie) oder das nachsprechen von Lauten (Echolalie) oder Worten und Sätzen (Palilalie).

Die Behandlung

Insgesamt ist die Art der Tics beim Tourette-Syndrom sehr vielschichtig und hinterlässt bei den „Außenstehenden“ oft aus Unkenntnis, Verwunderung, großes Entsetzen, Erstaunen und auch Unmut, weil sie nicht nachvollziehen können, dass die Tics automatisch und unwillkürlich, ähnlich einem Schluckauf, ausgelöst werden und der Betroffene keinerlei Einfluss darauf hat. Die Tics bei Tourette-Syndrom können täglich ein- oder mehrmals oder in einem bestimmten Zeitintervall und Stärke auftreten. Sind die Betroffenen erregt (freudig oder ärgerlich) können sich die Tics verstärken, bei starker Konzentration nehmen sie eher ab. Aufgrund der Veränderungen des Tourette-Syndroms mit seinen Tics ist es sehr wichtig, bereits im Kindesalter die Krankheit durch Kinder- und Nervenärzte sowie durch Kinder- und Jugendpsychologen zu diagnostizieren und therapeutisch zu behandeln.

Aufklärung über das Tourette-Syndrom

Neben der medikamentösen (pharmakologischen) positiven Stimulans (Wirkstoffgruppe Neuroleptika) und soziotherapeutischer (psychologischer) Hilfen kommt vor allem der Aufklärung über das Tourette-Syndrom für die Angehörigen und der Menschen im Umfeld eine große Bedeutung zu, um die Betroffenen nicht auszugrenzen. Die Tourette-Syndrom Patienten verfügen oft über eine sehr gute Reaktionsfähigkeit und ihr Bewegungsdrang hilft ihnen bei sportlichen Aktivitäten sowie beim Musizieren z. B. beim schnellen Schlagzeug spielen. Patienten mit Tourette-Syndrom sind leistungsfähig und intelligent wie „gesunde“ Menschen, können sich beruflich gleichermaßen entwickeln und am öffentlichen Leben teilnehmen. Es gibt genügend Beispiele, dass Menschen mit dem Tourette-Syndrom Berufe wie z. B. Softwareprogrammierer, Ingenieur, Arzt, Musiker o. ä. ausüben.

Foto: Marcin Sadlowski – Fotolia

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