Neuer Service bietet Arzttermine per Mausklick

Die Deutschen gehen zu oft zum Arzt. Das sagen zumindest einige Studien. Im europäischen Vergleich sind die Deutschen mit 9,7 Arztbesuchen pro Kopf und Jahr auf dem zweiten Platz hinter Ungarn (OECD Studie 2015). Der häufigste Grund, einen Arzt aufzusuchen ist organisatorischer Natur: Eine Krankschreibung zur Vorlage beim Arbeitgeber. Schätzungsweise 50% der Arztbesuche seien demzufolge überflüssig. Ein weiterer Grund ist das gelernte Überweisungssystem, wodurch der erste Weg des Patienten häufig noch zum Hausarzt und nicht direkt zum Facharzt führt, auch wenn es nur für wenige medizinische Felder und Besuche zwingend eine Überweisung braucht.

Welche Patienten besonders oft zum Arzt gehen

Wie kommt diese hohe Zahl an Pro-Kopf-Arztbesuchen zustande? Ein Großteil der Arztbesuche geht auf chronisch Kranke zurück. Zum Beispiel Patienten, die zur Dialyse müssen, die an Krebs erkrankt sind oder Diabetiker. Ebenso gehen Patienten mit Stoffwechselkrankheiten und psychischen Erkrankungen häufiger als andere zum Arzt, um ihre Krankheiten behandeln oder ärztlich überwachen zu lassen.

Regelmäßige und damit überdurchschnittlich viele Besuche gehen auch auf schwangere Frauen zurück. Zudem raten Krankenkassen zu verschiedenen Vorsorgeuntersuchungen, die von vielen Patienten auch wahrgenommen werden.

Eine geläufige prophylaktische Untersuchung ist die Zahnvorsorge, bei der empfohlen wird, zweimal im Jahr zur Kontrolluntersuchung zu gehen, um Karies vorzubeugen. Die Kassen raten auch zu einer Reihe weiterer Untersuchungen, z.B. Krebsvorsorgeuntersuchungen. eine jährliche Genitaluntersuchung für Frauen auf Gebärmutterhalskrebs sowie zur Brustuntersuchung und auch bei Männern die jährliche Untersuchung durch einen Urologen. Zusätzlich können Personen ab 35 die sogenannten Check Ups wahrnehmen, bei denen es sich um eine Ganzkörperuntersuchung handelt.

Auch der demographische Wandel trägt zu mehr Arztbesuchen bei. Die Gesellschaft wird immer älter, und je älter Menschen werden, desto mehr körperliche Beschwerden treten in der Regel auf.

Es bleibt jedoch festzuhalten, dass viele der genannten Arztbesuche und Behandlungsgründe nicht nur medizinisch notwendig, sondern gerade auch im Fall der Vorsorgeuntersuchung sehr sinnvoll sind.

Terminvereinbarung per Mausklick

Für viele Untersuchungen benötigen Patienten jedoch Termine. Diese zu erhalten ist oft schwierig. Arztpraxen sind telefonisch nur zu den Sprechzeiten erreichbar. Während dieser Sprechzeiten müssen die Arztpraxen den Praxisalltag koordinieren, Patienten empfangen und das Telefon bedienen. Der Patient hat also eine hohe Chance, in der Warteschleife zu landen oder ein besetztes Telefon zu erwischen. Eine Terminvereinbarung ist so nicht möglich. Durch einen innovativen Service wird es Patienten nun einfacher gemacht, Termine zu vereinbaren. Zum Beispiel über Doctolib, ein Service, über den Patienten in Deutschland seit einem Jahr Arzttermine online buchen können. Die Idee kommt aus Frankreich, wo Doctolib Ende 2013 gegründet wurde und sich innerhalb kürzester Zeit zum Marktführer für Onlinearzttermine entwickelt hat. Die Patienten können seither unabhängig von den Sprechzeiten Termine vereinbaren. Sie sind nicht mehr auf die telefonische Erreichbarkeit der Praxis während der Sprechzeiten angewiesen. Es werden nur reale Termine angezeigt, die Buchung erfolgt in Echtzeit. Das heißt, vergebene Termine stehen für andere Patienten nicht mehr zur Verfügung. Durch einen Erinnerungsservice werden Patienten auch noch an den Termin erinnert, sodass sie diesen nicht mehr vergessen. Gerade für Kontrolluntersuchungen, Impftermine und Vorsorgeuntersuchungen bietet sich die Nutzung an. Patienten können direkt bei der Terminbuchung beim jeweiligen Arzt ihren Besuchsgrund angeben. Bereits 23.000 Behandler und 650 Gesundheitseinrichtungen ermöglichen die Terminvereinbarung im Internet für ihre Patienten. Damit erstreckt sich der Trend zu Onlinebuchungen nun auch auf die Gesundheitsbranche. Während die Urlaubsbuchung, der Schuhkauf oder die Essensbestellung per Mausklick mittlerweile für die meisten zum Alltag gehört, war dies auf dem Gesundheitsmarkt bisher nicht der Fall.
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