Kino im 3D-Wahn: Nichts als Geldschneiderei

3D-Kino war noch vor wenigen Jahren ein wirkliches Highlight. Man freute sich, wenn ein großer Blockbuster seine bombastischen Effekte in 3D präsentierte, dass es einen aus dem Kinosessel haut. Doch langsam nimmt der Hype wirklich Überhand.

Mittlerweile beherrscht das 3D-Kino die Industrie vollkommen. Da wird mit Effekten um sich geworfen, dass der Kinogänger gar nicht mehr weiß, wo er zuerst hinsehen soll. Super Sache, schließlich bezahlt man für so ein Kinoticket ja auch genug Geld. Doch ganz dreist werden auch Filme ins 3D-Rennen geschickt, bei denen es gar keine Veranlassung für solch einen Aufschlag gibt. Abgesehen fragt sich der Kinogänger beim Blick ins nun leere Portemonnaie, ob die Kinos die Kosten für das Installieren einer 3D-Anlage in einem einzigen Saal nicht langsam mal wieder eingespielt haben müssten und die Preise etwas humaner gestalten könnten.

Teure Tickets für minimale Effekte

Wenn ein Film komplett für 3D ausgelegt ist und den Zuschauer wirklich mit einer Fülle an dreidimensionalen Effekten unterhält, ist das ja super. Aber bei einem Großteil der Filme ist das schlichtweg nicht mehr der Fall. Mittlerweile sieht man sich viel zu oft fast anderthalb Stunden lang eine Geschichte an, in der nichts, aber auch GAR NICHTS nach 3D verlangt, nur um in den letzten 10 Minuten dann ein paar interessante Effekte mitzunehmen. Dafür lohnt sich der horrende Preis eines 3D-Kinotickets nun wirklich nicht!

Vor allem, wenn man dabei noch bedenkt, dass sich das Auge mit der Zeit an die Sehverhältnisse gewöhnt und man den 3D-Effekt irgendwann gar nicht mehr so richtig wahrnimmt. Mit anderen Worten: man guckt sich den ganzen Film in 3D an, obwohl nicht einmal ein Zahnstocher direkt ins Publikum zeigt, und wenn dann tatsächlich etwas 3D-Würdiges passiert, sieht man den Effekt kaum noch. Da bezahlt man den teuren Aufschlag quasi für nichts und wieder nichts.

3D als Zwang: Die reinste Abzocke

Das nachträgliche Konvertieren eines Films ist dabei die eine der größten Abzocken. Manchmal sehen die Computereffekte durch das Umbasteln in 3D sogar schlechter aus, als es in 2D der Fall gewesen wäre. Können sich die Filmemacher nicht vorher überlegen, wie sie den Film drehen wollen, und es gleich richtig machen?! Noch schlimmer: wenn man gar nicht mehr die Wahl hat, in welcher Variante man sich einen Film ansehen möchte. So mancher Streifen läuft nur in einer Handvoll Kinos in „normal“ und überall sonst ist man gezwungen, den teuren 3D-Aufschlag zu zahlen. „In ausgewählten Kinos auch in 2D“ steht dann ganz frech auf den Plakaten, sodass man sich als Zuschauer richtig veralbert vorkommt.

Und sogar ganz olle Kamellen werden wieder rausgekramt, nachträglich konvertiert und für das ganz große Spektakel nochmal in 3D in die Kinos gebracht. Gerüchteweise wird aktuell „Titanic“ umgebastelt, damit die ganze Tragödie noch einmal richtig schön realistisch präsentiert werden kann. Dabei sind es doch nur der wenige Sekunden dauernde Zusammenstoß mit dem berühmt berüchtigten Eisberg und der letztliche Untergang des Schiffes wirkliches 3D-Material. Und auf die ganze Lauflänge des Films gesehen, ist das ein Witz. Also wieder nur ein mieser Trick, um den Leuten noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Hoffentlich kommt bald die Trendwende, und das gute alte 2D wird wieder „in“.

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