Jedes Jahr das gleiche Jammern – Deutschlands Songcontestdebakel

Jedes Jahr geht das deutsche Jammern um die angebliche Ungerechtigkeit des Eurovision Songcontest wieder von vorne los. Der gesamte Wettbewerb sei nur ein abgekartetes Spiel, bei dem sich die osteuropäischen Länder die Punkte zuschieben. Viele plädieren sogar für einen gänzlichen Rückzug, da die deutschen Beiträge gegen die „osteuropäische Eurovision- Mafia“ sowieso keine Chance hätten.

Dabei wird scheinbar vergessen, dass Deutschland in den letzten zehn Jahren sehr wohl gute Ergebnisse erzielt hat. So kamen die von Stefan Raab produzierten Beiträge immer unter die besten zehn Plätze(1998 Platz 7 mit „Guido hat euch lieb“, 2000 Platz 5 mit „Wadde Hadde Dudde Da“ und 2005 Platz 8 mit „Can’t Wait Untill Tonight“). Ausserdem wird außer acht gelassen, dass die siegreichen osteuropäischen Songs der letzten Jahre auch aus Westeuropa viele Punkte bekamen. Mit „Freundschaftspunkten“ allein kann man keinen Songcontest gewinnen.

Der Vorwurf der unfairen Punktevergabe ist sowieso fragwürdig, wenn man zum Beispiel die Länder des ehemaligen Jugoslawien betrachtet. Haben die nicht bis vor wenigen Jahren einen blutigen Krieg gegeneinander geführt? Angesichts der dortigen tragischen Ereignisse der 1990er Jahre scheint die Regelmäßige „Punkteschieberei“ der Balkanstaaten verwunderlich. Dabei ist es offensichtlich, dass die Einwohner dieser Staaten schlicht einen ähnlichen Musikgeschmack haben und die jeweiligen Künstler über die dortigen neuen Landesgrenzen hinaus berühmt sind.
Anstatt jedes Jahr eine osteuropäische Verschwörung zu wittern, sollte man sich in Deutschland lieber fragen, ob eine überholte Castingband vieleicht doch nicht der optimale Kandidat für einen europaweiten Gesangswettbewerb ist.

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