Gute-Laune-Tipps für Weihnachtsmuffel

Köln – Der Lebkuchen lauert schon seit September in den Regalen und allerspätestens Ende November schallt einem von irgendwo «Last Christmas» von Wham entgegen.

Was die einen in freudige Erwartung versetzt, löst bei anderen das Gegenteil aus: Sie sind genervt von all dem Kommerz, vom programmierten Familienzoff und all dem Stress, der mit der vermeintlich besinnlichen Zeit des Jahres verbunden ist. Wie schaffen es diese Menschen, Weihnachten halbwegs gut gelaunt zu überstehen?

Weihnachten ist reine Nervensache

Erstmal haben wir auch selbst in der Hand, wie sehr wir das Thema Weihnachten an uns heranlassen, sagt
Sabine Köhler, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie aus Jena. «Jeder kann für sich beschließen, ob er oder sie sich davon mitreißen lässt oder für ein bewusstes Gegenprogramm entscheidet.»

Dafür gilt es erstmal herauszufinden, welche Bedeutung Weihnachten für einen selbst hat: «Was verbinde ich gedanklich mit Weihnachten, was finde ich schön und was stresst mich? Diese Fragen könnte man sich stellen», sagt Katja Mierke, Sozialpsychologin an der
Hochschule Fresenius Köln.

Dinge, die einen nerven, sollte man ganz bewusst umschiffen statt sich unnötig zu ärgern. Es sei beispielsweise ohnehin klar, dass das Thema Weihnachten eng mit Konsum verknüpft ist, sagt der Coach
Sven Sebastian aus Berlin: «Warum sich also noch darüber aufregen? Hat jemand Lust auf Lebkuchen, soll er sich daran erfreuen. Wer es nicht mag, muss es nicht kaufen.»

Keine zu hohen Erwartungen haben

Umgekehrt dürfte jeder etwas finden, das er an Weihnachten mag. Sind es nicht die Weihnachtsmärkte, Weihnachtslieder oder Gebäck, dann vielleicht zumindest die freien Tage nach Heiligabend. Diese Zeit gilt es so zu füllen, dass man sich selbst damit wohlfühlt.

Der Druck und die schlechte Laune entstünden ja meist eher durch die Erwartung, man habe Weihnachten harmonisch mit der Familie zu verbringen, sagt Mierke. Dabei übersieht man leicht, was einem selbst gut tun würde. «Halten Sie sich nicht zu stark an vermeintliche Verpflichtungen und Konventionen», rät deshalb Coach Sebastian.

Die Angst, andere zu enttäuschen, und die eigenen Befürchtungen könnte man ihm zufolge auch einfach mal einer Realitätsprüfung unterziehen: Wird die Tochter wirklich enterbt, wenn sie sich nicht zum Bratenessen mit der Familie einfindet? Oder wären die Eltern nicht vielmehr selbst dankbar für eine Auszeit vom Trubel?

Wünsche offen äußern

Wer zu dem Schluss kommt, dass er Weihnachten lieber allein oder mit Freunden im Süden statt im kalten Deutschland verbringt, sollte das nach Mierkes Ansicht offen ansprechen. Ideal ist es den Experten zufolge, wenn im Rahmen eines Familienrats jeder sagen darf, was er sich wünscht, was ihm nicht so wichtig ist und auch, was gar nicht geht.

Eine Lösung könnte etwa sein, die Feiertage im kleinen Kreis nur mit der eigenen Familie zu verbringen. Darüber hinaus einigen sich alle auf Zeiten, zu denen Freunde willkommen sind.

Sebastian warnt davor, die Weihnachtszeit für Aussprachen zu nutzen, nur weil gerade alle um den Tisch versammelt sind. Wer schon weiß, dass sich spätestens beim Hauptgang alle in den Haaren liegen, sollte sich ein Ausstiegsszenario zurechtzulegen – und die Diskussion im Zweifelsfall schnell beenden.

Auf die Ursprünge des Festes besinnen

Für ein harmonischeres Beisammensein kann es auch helfen, sich klar zu machen, woher überhaupt die Idee stammt, Weihnachten mit der Familie zu feiern. «Früher war das die Zeit ohne Licht, während der man ruhte, Abschied nahm und Kraft schöpfte für das neue Jahr», erklärt Köhler. So kam die Konzentration auf die Familie zustande – den Rest des Jahres war dazu einfach keine Zeit. Wer sich das vor Augen führt, ist vielleicht weniger genervt von der alljährlichen Zusammenkunft.

Weihnachten bietet zudem die Möglichkeit und einen äußeren Anlass, Dankbarkeit zu zeigen. «Wer nichts schenken will, kann etwas spenden, das löst große Glücksgefühle aus», sagt Sebastian.

Fotocredits: Halfpoint,Fotostudio-Ebenbild,Alex Stark
(dpa/tmn)

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