Die Mär von den Kunstfehlern

17 teils prominente Ärzte haben in der vergangenen Woche Kunstfehler eingeräumt, und damit ein Tabu gebrochen, das in der Ärztewelt zwar durchaus keines ist, außerhalb aber für einige Aufregung sorgte. Dementsprechend skandalös titelte die Bild-Zeitung und ritt den Dämon kollektiver Behandlungsängste.

Nicht ganz zu Unrecht, natürlich: Denn die Zahl der Behandlungsfehler (oder, in der Presse, „Kunstfehler“) ist offenbar weit höher anzusetzen, als dies bisher getan wurde. Das hat aber nicht notwendigerweise etwas mit unqualifizierten Medizinern zu tun, sondern schlicht mit einer rigorosen Überschätzung des Ärztestands insgesamt.

Jetzt mal ehrlich: Überrascht jemanden die Erkenntnis, dass – und in welchem Maße – Kunstfehler unterlaufen – angesichts der (finanziellen) Zustände der Krankenhäuser? Angesichts hoffnungslos über-buchter Ärzte? Angesichts rigider Sparmaßnahmen im öffentlichen Dienst? Die Krankenkassenbeiträge steigen konstant, indessen die Erstattungen immer weiter reduziert werden.

Die Medizin hat wenig mit der Mär vom „Halbgott in Weiß“ zu tun. Schockiert zu sein von den Bekenntnissen der 17 Mediziner, und gleichzeitig jahrelang den Geldhahn abdrehen – das ist schon irgendwie schizophren.

Mediziner

Comments (2)

  1. […] Die Mär von den Kunstfehlern – Blogger Michael über den Dämon kollektiver Behandlungsängste […]

  2. Fischer sagt:

    Die Erwartungshaltung an Ärzte ist aber auch unmöglich: Sie sollen allwissend sein, aber bitte auf Augenhöhe mit dem Patienten diskutieren, schonungslos ehrlich und gleichzeitig immer positiv, unfehlbar sind sie natürlich auch, aber jeder will ihnen reinreden.