Autismus

Autismus (griech. = selbst) ist eine Persönlichkeitsstörung, die sich durch Selbstbezogenheit und soziale Isolierung der Betroffenen auszeichnet. Autisten sind in ihrer eigenen Gedanken- bzw. Vorstellungswelt „versunken“. In der Medizin wird der Autismus in zwei verschiedene Formen untergliedert: der frühkindliche Autismus und den kindlichen Autismus.

Eine nicht heilbare Persönlichkeitsstörung

Eugen Bleuler (1857-1939), der Schweizer Psychiater, prägte den Begriff „Autismus“ im Jahr 1911 erstmals. Jedoch stufte er zu dieser Zeit unter „Autismus“ schizophrene Menschen ein, die Merkmale der Zurückgezogen- und Selbstbezogenheit aufweisen. Der amerikanische Kinder- und Jugendpsychiater Leo Kanner (1896-1981) beschrieb im Jahr 1943 die Symptome des frühkindlichen Autismus (Kanner-Syndrom) genau. Hans Asperger (1906-1980) veröffentlichte 1944 seine Untersuchungen und seine Beschreibung zum kindlichen Autismus als eine Persönlichkeitsstörung, die wir heute noch unter dem Asperger-Syndrom kennen. Er lehnte sich an die wissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnisse von Kanner. Die diagnostische Gruppe bzw. Kategorie wurde jedoch erst seit den 1980er anerkannt.
Die Persönlichkeitsstörung beginnt bereits in den frühen Kinderjahren, es kann genetisch bedingt sein und zeigt sich in vielen Facetten, die sich durch Störungen in der Kommunikation und in der Beziehung zu anderen Menschen, auch zu den eigenen Eltern, ausdrückt. Autismus drückt sich u. a. auch dadurch aus, dass die betroffenen Menschen unter anderem motorische, sprachliche, interaktionale, kognitive sowie über emotionale Störungen „leiden“ – zwischenmenschliche Beziehungen können sie nur sehr schwer oder gar nicht aufbauen – und unterschiedliche stereotypische Verhaltensauffälligkeiten zeigen.

Ursachen für Autismus

Beim Autismus gibt es verschiedene Schweregrade der Persönlichkeitsstörung. Die Ursachen des Autismus sind wissenschaftlich noch nicht endgültig geklärt und erforscht, man vermutet, dass genetische Defekte Auslöser dieser Persönlichkeitsstörung sind. Autismus ist nicht heilbar. Jedoch sollte man Autisten nicht als „Krank“ bezeichnen, denn sie sind durchaus in Lage, ein eigenes, selbstbestimmtes und zufriedenstellendes Leben zu führen, die die Umwelt „nur“ anders erleben bzw. wahrnehmen als „normale“ Menschen. Bereits im Säuglingsalter kann man Autismus diagnostizieren, denn hier zeigen sie schon gegenüber den Bezugspersonen, wie Mutter, Vater und Geschwister. Sie zeigen Desinteresse und keine Neugierde an der Entdeckung der „Umwelt“ zeigen oder bestimmte Bewegungen usw. nachahmen bzw. Worte nachsprechen. Kinder mit dem frühkindliche Autismus oder dem kindlichen Autismus sind nicht oder nur in geringen Maße in der Lage, Blick- und Körperkontakte aufzunehmen, Gefühle auszudrücken und Freundschaften und Beziehungen aufzubauen und zu pflegen – sie bleiben lieber bei sich und nehmen u. a. Kontakt über die eigenen Sinnesorganen, wie das Tasten und Riechen auf. Beim Spielen mit anderen Kindern bleibt der Autist gern allein, spricht nicht und bewegt sich nur wenig. Die Entwicklung von Sprache und Intelligenz kann dennoch normal verlaufen. Jedoch, Betroffene mit schwerem Autismus sprechen und bewegen sich kaum (Mutismus und Stupor).

Therapiemöglichkeiten

Wie bereits erwähnt, ist Autismus nicht heilbar, dennoch gibt es Therapiemöglichkeiten, die sich vor allem nach der Schwere der Symptome richten, die Betroffenen in „ihrer Welt“ zu begleiten, ihre Stärken zu fördern und sie im Umgang mit anderen Menschen zu unterstützen, stereotypische und rigide Verhaltensweisen abzubauen. Die Therapie, die von Pädagogen, Psychologen und Psychiatern gemeinsam durchgeführt wird, hilft aber auch den Angehörigen, mit dieser Persönlichkeitsstörung umzugehen. Eine Therapie mit Medikamenten gibt es bisher noch nicht.Die Therapie kann ganz unterschiedlich sein, sie kann von der Musiktherapie, über eine Sprach- und Aufmerksamkeitstherapie bis hin zur Interaktionstherapie reichen, wobei es sehr günstig ist die Therapieformen zu kombinieren, um bei den Autisten die soziale Kontaktaufnahme zu anderen Menschen zu forcieren und bestimmte Abläufe (im Alltag) zu erlernen. Autisten sehen das Internet als eine geeignete Form der Kommunikation an, denn hier sind weder Gestik und Mimik „gefordert“. Neben der Kommunikation per E-Mail oder per SMS vom Handy bietet das Internet aber auch die Möglichkeit, dass Autisten untereinander, auf entsprechenden Plattformen, Erfahrungen austauschen und zueinander Kontakte knüpfen können. Das jedoch birgt die Gefahr in sich, dass die Betroffenen „allein“ und zurückgezogen in der virtuellen Welt unterwegs sind – eine Therapie mit Pädagogen, Psychologen und Psychiatern und die Auseinandersetzung mit der realen Welt bringen mehr Erfolg.

Foto: elenarostunova – Fotolia

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