Alkohol: Unterschätzte Gefahr

Viele Menschen, darunter immer mehr Jugendliche, verlieren im Umgang mit Alkohol das rechte Maß. Die gesundheitliche Gefahr wird oft unterschätzt.

663 zum Teil schwerbetrunkene Kinder und Jugendliche hat die Berliner Polizei im Zeitraum von April bis Dezember 2007 aufgegriffen. Das geht aus einer Meldung der Berliner Polizei vom Mittwoch hervor. Gleichzeitig wurde der Prozess gegen den Wirt, der vor rund einem Jahr dem 16-jährigen Lukas W. mehr als 40 Tequila innerhalb einer halben Stunde eingeschenkt hatte, eröffnet. Lukas W. war unmittelbar nach dem vermeintlichen Wetttrinken ins Koma gefallen und vier Wochen später gestorben. Eine neue Studie belegt, dass fast jeder dritte Student ein Alkoholproblem hat.

Das Thema Alkohol und Jugendschutz wird in Deutschland traditionell stiefmütterlich behandelt. Alkoholismus wird allzu oft nicht wie eine Krankheit betrachtet – sondern wie eine Gewohnheit: Manche kauen Kaugummi. Andere trinken. Ähnlich wie bei Magersucht wird dies von Außenstehenden kaum wahrgenommen. Während Amerikaner auf dem in ihrer Verfassung verbürgten Recht zum Waffenbesitz beharren (und Deutsche sich darüber wundern), ist es hierzulande Jugendlichen ab 16 erlaubt, Alkohol in der Öffentlichkeit zu konsumieren – wenn auch keinen Schnaps. Der ist erst frei ab 18. Zum Vergleich: In den Vereinigten Staaten ist jedweder Alkohol, unabhängig von den Volumenprozenten, erst ab 21 erhältlich. Im Gegensatz zu den Amerikanern berufen sich die Deutschen (und die Franzosen, und die Italiener, und die Spanier…) allerdings in der Alkoholfrage nicht auf ihre Verfassung. Sondern auf die Tradition: Wein und Bier, so lautet das Argument, gehören eben irgendwie zur deutschen Kultur dazu.
Der Verfasser dieser Zeilen kommt aus dem Rheingau und kann von der Wein-Tradition buchstäblich ein Lied singen, wenn nicht mehrere. Und weiß: Der Umgang mit Alkohol muss erlernt werden. Erst recht, wenn die Altersbeschränkungen so niedrig sind wie in der Bundesrepublik. Wer einmal bei einer Lese dabeiwar, wer bei Weinfesten und -proben mitorganisiert, wer erlebt, dass der Wein – seit Jahrhunderten – die Menschen ernährt, dem verlangt er einen ganz anderen Respekt ab. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol kann auch mit 16 erlernt werden.

 

Klar, die geschilderten Bedingungen treffen auf Jugendliche in Wedding nicht zu. Und das ist das Problem: Die Kultur, die den Weinkonsum rechtfertigen soll, existiert oftmals nicht. Im Gegenteil: Zurzeit lebe ich in Berlin; heute morgen, so gegen acht, saß ich in der U-Bahn einem – sonst ganz passabel aussehenden – Mann gegenüber, der seine (erste?) Flasche Bier leerte. Das ist kein Umgang, soviel steht fest. Über seine Gesundheit möchte man keine Spekulationen anstellen.

Statt – wie es momentan wieder vereinzelte Medien fordern – die Gesetze zu verschärfen (sprich: die Altersgrenzen zu erhöhen), sollten wir uns Gedanken über unseren alltäglichen Umgang mit Alkohol machen. Wovon spreche ich konkret? Nun, machen Sie mal am Wochenende einen Spaziergang durch Kreuzberg, und zählen Sie mit, wievielen Menschen – Erwachsenen … – Sie begegnen, die trinkend auf der Straße herum [fügen Sie ein Verb Ihrer Wahl ein].

Ich glaube nicht, dass man an der Altersbeschränkung viel ändern muss. Interessant finde ich aber, beispielsweise, die Praktiken in Irland und den USA, die den Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit – also auf der Straße, in öffentlichen Parks, etc. – verbieten. Diese Maßnahme ist viel unspektakulärer, als sie scheint, und beschneidet durchaus nicht irgendwelche Grundrechte. Andererseits entfaltet sie rasch – und deutlich – Wirkung. Denn die Wahrheit ist: In manchen Gegenden, nicht nur Berlins, beherrscht Alkohol rund um die Uhr das Straßengeschehen. Und ist das ein Vorbild?

Mediziner

Comments (8)

  1. Karsten sagt:

    Hallo,

    das das Thema Alkoholismus in unserer Gesellschaft nicht ernst genommen wird, möchte ich auch bestätigen.
    Gerade das Thema Alkohol in der Werbung könnte sofort angegangen werden, wenn es denn die Politiker nur wollten.
    Leider ist das Interesse da sehr gering.
    Bedingt durch meine eigene Alkoholabhängigkiet, haben wir ein Forum unter http://www.forum-alkoholiker.de, wo sich nun ein Politiker im Chat ( 10.4.2008 ) den Fragen zum Thema Alkoholwerbung stellt.
    Leider haben wir nur eine Antwort von allen Fraktionen des Bundestages auf unsere Anfrage erhalten, was für mich deas Desinteresse bestätigt.

    Gruß
    Karsten

  2. Diba sagt:

    hey,
    ich und meine freunde machen ein referat über alkohol. Ich denke das wir nicht genug wissen.
    Könnt ihr uns vll tipps geben ??

  3. Stephi sagt:

    Hey..
    ich mach in ner‘ woche gfs über „gefahren von Alkohol“. Könntet ihr mir da vielleicht ein paar Themen vorgeben?
    Dabkeschöön 🙂
    Gruß Stephi ♥

  4. melanie sagt:

    Also des war mein Handout^^

    Alkohol
    Wirkung des Alkohols im Blut:
    – 0,2 Promille: Die Stimmung wird besser
    – 0,2 bis 0,5 Promille: Puls und Atmung schneller, Geschmackssinn & Sehfähigkeit gehen zurück, Appetit wird angeregt
    – 0,5 bis 1 Promille: Selbstüberschätzung, Erinnerungs- und Reaktionsvermögen nehmen ab, Enthemmung, Tunnelblick
    – 1 bis 2 Promille: Symptome werden stärker, Erbrechen, man wird emotionaler, das Sprechen fällt schwer, das Gleichgewicht wird gestört , Verwirrtheit
    – 2 bis 3 Promille: Alle Sinne sind betäubt, Orientierungslosigkeit, man bekommt kaum noch etwas mit
    – Mehr als 3 Promille: Atmung und Puls werden extrem schwach, man kann ins Koma fallen

    Mögliche Folgen von Alkoholkonsum auf den Körper:
    – Leber: Fettleber ( Fett wird in der Leber eingelagert), Leberentzündung , Leberzirrhose (Wucherung im Bindegewebe mit nachfolgender Verhärtung und Schrumpfung)
    – Bauchspeicheldrüsenentzündung
    – Herz: Erweiterung des Herzmuskels, Erhöhung des Blutdrucks
    – Nerven: Nervenleiden, Nervenkrankheiten
    – Muskeln: Muskelschwund
    – Hirn: Hirnschwund (bis zu 15%), Gehirnschaden (Korsakow-Syndrom)
    – Erhöhtes Krebsrisiko: Mund-, Rachen-,Speiseröhrenkrebs und bei Frauen Brustkrebs
    – Magen: Magenschleimhautentzündung , Geschwüre
    – Niere: Vergrößerung -> Stoffwechsel wird behindert
    – Gewichtszunahme
    – Körpereigene Fette werden langsamer abgebaut
    – Hoden: Impotenz, weniger Spermienbildung, Hodenverkleinerung, reduzierter Testosteronspiegel -> Errektionsstörungen
    – Aufgeschwemmtes, gerötetes Gesicht
    – Lähmungen und Gangstörungen
    – Man wirkt um Jahre gealtert (Teigiger Teint)
    – Spinnenartige Gefäßerweiterungen auf der Brust und im Gesicht, Schnapsnase
    – Tod
    Gesetzliche Lage
    – Wein und Bier ab 16
    – Brandweinhaltige Getränke ab 18 (z.B. Spirituosen)

    Im Straßenverkehr
    – 0,5 Promille Grenze
    – Fahranfänger: 0 Promille

    Alkoholkonsum bei Jugendlichen
    – Ca. 23 000 Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren wurden 2007 volltrunken in der Klinik eingeliefert
    – 26% trinken mindestens einmal im Monat Alkohol
    – Bauen Alkohol nur sehr langsam ab aufgrund eines fehlendem Enzyms
    – Organschäden treten früher auf als bei Erwachsenen (weil Organe noch nicht ausgewachsen)
    – Komasaufen wird immer beliebter
    Alcopops
    – Alcopops = alkoholhaltige Limonaden
    – Hauptarten: Biergetränke deren Geschmack durch einen fruchtigen und süßen Geschmack überdeckt wird; Limonaden denen Spirituosen zugefügt werden und Limonaden die Alkohol aus vergorenem Fruchtzucker enthalten
    – Überdecken den Alkoholgeschmack
    – Wird oft getrunken um betrunken zu werden
    – Ansprechende Werbung und Flaschenverpackungen
    – 36 % der 14-17 jährigen trinken ein oder mehrmals pro Monat Alcopops; 12% einmal pro Woche
    Quellen:
    Internet:
    http://www.bist-du-staerker-als-alkohol.de
    http://80.190.202.79/pic/m/ministranten24/alkohol_schaeden.jpg
    Broschüren:
    – „ NA TOLL!“ , „Alles klar?!“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
    – „ Die Landesarbeitsgemeinschaft Suchtvorbeugung NRW informiert“
    – „Die Sucht und ihre Stoffe“ der DHS
    – „Informationen zur Suchtvorbeugung“ der ginko- Stiftung

  5. Silvio sagt:

    Also ich bin trockener Alkoholiker und unterstreiche es gerne, dass viel zu wenig Aufklärungsarbeit geleistet wird. Ich vermeide Alkohol immer und überall, aber da Alkoholismus in unserer gesellschaft nach immer so stark tabuisiert wird, ist es mir manchmal unangenehm immer nachzufragen, ob irgendwo evtl. ein Schuss Alkohol drin ist. Hab mir deswegen u.a. auch die Delicardo Foodcard angeschafft. Ist eigentlich für Lebensmittelallergien gedacht, aber gibt es mittlerweile auch für die „Alkoholfreie Diät“, somit kann ich bei Geschäftsessen und Terminen diskret die karte dem kellner abgeben und alle wissen, dass bei mir kein Alkohol im Essen sein darf. Erleichtert das Leben zumindest ein bisschen.

  6. carmen sagt:

    könnt ihr mir helfen ich muss noch mehr über alk und die gefahren wissen

  7. Stephie sagt:

    Hey Leute.
    In der Schule lernen wir gerade was über Alkohl und die Gefahren.
    Ich muss darüber ein referat halten und bräuchte dazu noch so einiege Informationen.
    Könntet ihr mir vielleicht noch etwas über das Thema mailen ? Wäre sehr nett.:) 😉
    Grüße
    Die Stephie 🙂

  8. Sandra sagt:

    Schöner, fundierter Eintrag. Alkohol und seine Gefahren werden leider immer wieder unterschätzt. Das kommt in den besten Kreisen vor. Im Grunde kann ich auch nur raten, den Wagen stehen zu lassen, wenn man getrunken hat, denn 0,5 Promille sind schneller erreicht als man denkt. Aber wenn man doch mal im Verdacht steht betrunken gefahren zu sein, dann sollte man sich auf jeden fall nicht auch noch um Kopf und Kragen reden. Lieber jemanden zu Hilfe holen, der sich mit sowas auskennt. Ein Anwalt zum Beispiel. Und bei der nächsten Party dann nichts mehr trinken. 😉

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