Ängste durch Hypnose hinter sich lassen

Tübingen – Hypnose verbinden viele Menschen mit dubiosen Magiern, die ihre Zuschauer zu peinlichen Auftritten verleiten. Sie kommt aber auch in Psychotherapien und der Medizin zum Einsatz, erklärt Prof. Dirk Revenstorf von der Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose (MEG).

«An sich funktioniert Hypnose im medizinischen Kontext ähnlich wie auf der Bühne», sagt er. Aber: In der Therapie zielt Hypnose nicht auf Folgsamkeit. «Die Willensfreiheit des Patienten wird nicht eingeschränkt.»

Therapeutisch können mithilfe von Hypnose zum Beispiel Ängste behandelt werden. Bei einer Patientin mit Flugangst etwa suchte Revenstorf nach einer Erinnerung, in der sich die Frau in einer Situation befand, die gefährlich und für sie nicht kontrollierbar war – in der sie aber keine Angst empfand. In Trance kehrte sie zurück zu einer Erinnerung, in der sie als Kind auf dem Fahrradlenker ihres Vaters saß und eine holprige Straße hinterherrollte. Dabei fühlte sie sich vollkommen geborgen. In Trance gelang es, dieses sichere Gefühl auf die Situation im Flugzeug zu übertragen.

«Während der Hypnose gerät der Patient in einen kindlich-naiven Zustand, in dem er sich öffnet für Dinge, die ihm normalerweise irrational vorkämen», erklärt Revenstorf. Das machte Hypnose zu einem sehr effektiven Werkzeug innerhalb einer Psychotherapie.

Allerdings braucht es ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Therapeut und Patient, betont Revenstorf. Anvertrauen sollten sich Patienten ihm zufolge nur Ärzten und Psychotherapeuten, die die Weiterbildung zum Hypnotherapeuten gemacht haben. Die
MEG und die
Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie zertifizieren solche Therapeuten.

Fotocredits: Carmen Jaspersen
(dpa/tmn)

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