Abgesetzte Serien und anhaltender Wahnsinn: Programmplanung im Fernsehen

Das Fernsehprogramm macht keinen Spaß mehr. Jede noch so kleine Chance, es inhaltlich aufzuwerten, scheitert bereits im Planungsstadium. Damit ist nicht einmal der bildungsbürgerliche Untergang des Abendlandes gemeint, sondern der stiefmütterliche Umgang mit Fernsehserien.

Die Programmplanung der Fernsehsender ist nicht mehr nachvollziehbar. Obwohl die Quoten in Richtung des absoluten Gefrierpunktes nur so purzeln, werden im jährlichen Rhythmus Z-Promis in Dschungelcamps geschickt, die sogar für südamerikanische Revoluzzer unannehmbar wären, während andere munter Himmel-und-Hölle spielen und auch hier den Sendern nicht den erhofften Erfolg bescheren.

Dennoch bleibt diese verhasste Tradition bestehen und die Zahl der eingerichteten Eigentumswohnungen, geköchelten Grausamkeiten und tumben Topmodels steigt unabwendbar. Bei den Gerichtsshows spielt die Laienschauspielgruppe Olpe-Süd irrwitziges Schmierentheater, andernortes werden die alten Talkshow-Konserven zum x-ten Mal aufgewärmt und durchaus im Ursprung interessante Themen werden populärwissenschaftlich ausgereizt. Schlechte Schauspieler zeigen sich in schlecht produzierten Serien mit schlechten Drehbüchern von ihrer schlechtesten Seite. All dies hält sich weiterhin im Programm und den Zuschauer im tödlichen Klammergriff.

Währendessen werden prämierte Serien ins Nachtprogramm verbannt („Die Sopranos“) oder nach (beziehungsweise noch während) der ersten Staffel abgesetzt („Dexter“ und „My Name is Earl“). Eine eigentlich erfolgreiche und gut geschriebene Serie wie „Angel“ wird mit zwei Jahren Verspätung gesendet, nachdem sie bereits auf DVD erschienen ist und somit logischerweise auch niemanden hinterm Ofen hervor holt.

Es heißt, dass sich das Fernsehen von seinem eigenen Medium entfernt, da die wenigsten Zuschauer das TV noch im eigentlichen Sinne nutzt. Die Shows werden nicht mehr seriell konsumiert, sondern im Ganzen, auf DVD und über das Internet.

Das hat auf der einen Seite Vorteile: Man muss sich nicht durch die Werbung quälen und kann selbst entscheiden, wann man sich dem Programm widmet. Auf der anderen Seite werden so die Sender auch nicht angetrieben, bessere Inhalte zu produzieren oder sich zu trauen, gute Sendungen einzukaufen.

Ernsthafterweise würde man es den Sendern gönnen, wenn sie endlich einmal mit dieser miesen Art, Serien zu verhunzen, gehörig auf die Nase fallen würden. Eines wird dabei immer klarer:

Egal, was die Sendeplaner verdienen – sie sind überbezahlt.

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